2007 Roermond - Borkum

- Auf zu neuen Ufern -

 

   

Nach über 10 Jahren Roermond (Jachthaven Hatenboer) haben Moni und ich uns entschlossen. Unsere ADELINE soll mal wieder was anderes sehen. Zumindest für die Saison 2007 soll unser Schiff auf Borkum liegen. Nur wie da hin kommen kranen und trailern ? - oder Mastlegen und fahren?

Nach nur kurzer Überlegung ist klar - Mastlegen und fahren. Nach einem Geistesblitz von Dagmar habe ich auch einen Topmatrosen - Uwe "SPEED" Conrads

Wir haben uns entschieden die letzte Märzwoche für die Überführungsfahrt zu nehmen und so fahren Speed und ich am Wochenende vorhaer schon einmal zum Schiff um eine kleine Inspektion durchzuführen. Besser jetzt mal einen neuen Impeller einbauen als unterwegs. Ansonsten scheint unser "Altes Mädchen" in Topform und zerrt schon ungeduldig an den Leinen. Nur die Ruhe ADELINE - nächste Woche geht es los.

 

23.03.2007 Vorbereitungen Roermond

Nachdem wir das Schiff verproviantiert und alles für unsere Kanaltour vorbereitet haben gehen wir ein letzes Mal in Roermond eine leckere Pizza essen, gönnen uns noch 1 - 2 Bier und hauen uns in die Kojen, da wir morgen früh los wollen.

24.03.2007 Roermond - Cuijk

Unsere Lieblingsaufgabe - Mastlegen - steht an. Aber da Speed ein alter Seebär ist geht das relativ leicht von der Hand, und so können wir um 0820 bereits den Motor anwerfen und unsere Reise über die Maas Richtung Nordsee beginnen. Unser Anlasser macht etwas Zicken, daher starten wir den guten alten Faryman Diesel von Hand. Wir tuckern die Maas abwärts Richtung Maas-Waal-Kanal den wir heute erreichen wollen.

Durch die Schleusen Roermond, Belfeld führt die gemütliche Fahrt uns bis ins Leukermeer wo wir um 1430 unseren Motor stoppen um den Öl nachzufüllen. ADELINE hat nämlich eine relativ grossen Öldurst (ca. 0,1 Ltr / Std.) . Das liegt an der alterschwachen Zylinderfussdichtung. Da muss mal was passieren.

Weiter geht die Fahrt Maasabwärts durch die Schleuse Sambeek bis zum Abzweig in den Maas-Waal-Kanal. Hier folgen wir der Maas noch 2 km und wollen in einem kleinen Sportboothafen am rechten Ufer festmachen. Aber hier ist noch keiner zuhause. Total verlassen liegt der kleine Hafen da, nicht ein Schiff zu sehen. Als tuckern wir wieder 1 km stromauf und legen uns in den Jachthafen in den Kraijenbergsen Plassen. Hier sind zumindest schon einige Schiffe im Wasser und wir haben Strom. Und was ist mit den Waschräumen ?

Ich gehe von Bord um die Lokalitäten zu erkunden. Hafenmeister ? - Fehlanzeige, Duschen ? - Fehlanzeige, aber wir haben Klo melde ich Speed als ich wieder an Bord komme. (Melde nichts was Du nicht wirklich kontrolliert hast.)

Wir machen uns ein leckeres Abendessen in Ermangelung eines Lokals, genehmigen uns noch 1/2 Bier und gehen früh in die Koje denn morgen wird ein ganz langer Tag.

25.03.2007 Cuijk - Amsterdam

...wir haben Klo ? - Frohen Mutes stehe ich morgens auf um mich zu erleichtern. Aber da kommt die böse Überraschung - Eine Herrentoilette ist zwar offen, aber als ich den doch ziemlich ranzig aussehenden Topf spülen will - FEHLANZEIGE - kein Wasser. Son Schiet - aber wofür hat man denn eine Pütz auf dem Schiff. Also zügig zurück zur ADELINE und die etwas andere Wasserspülung installiert. Das ging ja gerade noch mal gut.

Schon um 0630 legen wir ab und frühstücken auf der Fahrt durch den 13 km langen Waal-Kanal der die Maas mit der Waal bei Nijmegen verbindet.

Einfahrt in den Waal - Kanal

Am anderen Ende des Kanals erwartet uns die Schleuse Weurt mit ihren grossen Hubtoren.

 

Schleuse Weeurt

Auch diese Schleusung erfolgt problemlos und wir biegen danach in die starke Strömung der Waal ein. Ich habe mittlerweile den Laptop mit GPS montiert und so können wir unseren Kurs nun auf der Karte in Echtzeit verfolgen. Unsere Maschine macht immer noch Zicken, nimmt nicht richtig Gas an und wir können nur 4 kn anstatt der normalen 6 kn Fahrt durchs Wasser machen.

Nach knapp 2 Stunden sind die 25 km bis zur Mündung des Amsterdam - Rhein - Kanals geschafft und wir laufen in die Prins Berhard Schleuse ein. Weitere 2 Stunden später passieren wir die Prinsess Irene Schleuse und haben von da aus keine weiteren Hindernisse bis Amsterdam zu erwarten. Nach Einbruch der Nacht wird die Navigation etwas komplizierter da wir uns jetzt durch den Hafen von Amsterdam schlängeln müssen. Es ist gar nicht so einfach in dem riesigen Lichtermeer der Holländischen Haupstadt die richtigen Tonnen auszumachen. Aber dank unseres Laptops erreichen wir dann doch noch den malerischen Sixthaven direkt im Stadtzentrum.

26.03.2007 Hafentag in Amsterdam

Nachdem wir gestern abend erst spät in die Falle kamen haben wir uns heute erstmal richtig ausgeschlafen und geniessen bei herrlichem Sonnenschein ein ausgiebiges Frühstück im Cockpit. Die Toiletten und Waschräume im Sixthaven sind komplett neu errichtet worden und so folgt dem Frühstück eine Badeorgie. Danach stellen wir unseren Mast und machen die ADELINE seeklar da wir morgen übers Ijsselmeer segeln wollen. Unseren ursprünglichen Plan von hier aus durch den Nordseekanal und dann über die Nordsee nach Borkum zu segeln mussten wir leider aufgeben da auch für die nächsten Tage ein konstanter Ostwind Stärke 5 angesagt ist und das hiesse dann 140 Meilen gegenan bolzen. Das muss ja nun wirklich nicht sein. Also Ijsselmeer und dann über die stehende Mastroute Richtung Dellfzeil.

                                      

Uwe "Speed" Conrads                          "ADELINE"                            Tom Darius

Dann widmen wir uns unserem Motor. Dieselfilter reinigen und Ventilspiel einstellen. Der Motor lässt sich nun wenigstens problemlos von Hand starten, unser Anlasser hat nämlich vollends den Dienst quittiert. Hoffentlich kommt die Maschine nun auch auf Drehzahl. Nachdem die Wartungsarbeiten abgeschlossen sind geniessen wir noch einen warmen sonnigen Nachmittag im Sixthaven bevor wir am Abend einen Bummel durch die Amsterdamer Altstadt machen.

27.03.2007 Amsterdam - Stavoren

Wir starten um 0610 unseren Jockel und tuckern gemütlich Richtung Oranjesluisen um von dort aus ins Ijsselmeer zu gelangen. Die Schleuse pssieren wir um 0700 und warten dann vor der Schellingwouderbrug bis uns der Brückenwärter nach einem Weckruf per Funk endlich passieren lässt. Die Kollegen sind irgendwie noch nicht auf Touris eingestellt. Durch den Pampus erreichen wir dann endlich das Ijsselmeer und ADELINE wird endlich zum Segelschiff. Herrlich diese Ruhe. Leider verlässt uns der Wind nach etwa einer Stunde schon wieder und wir müssen wieder unseren Jockel bemühen. Das Reinigen des Filters war nicht wirklich erfolgreich. Wir machen wieder nur 4 kn Fahrt und so zieht sich die Fahrt nach Enkhuizen etwas in die Länge.

Naviduct in Enhuizen

 

Gegen 1300 passieren wir das Naviduct in Enkhuizen und können danach Richtung Stavoren endlich segeln. Mit 5 - 6 Kn rauscht unser altes Mädchen durch die braunen Fluten des Ijsselmeer und wir erreichen um 1550 die Johan Frieso Sluis in Stavoren. Von dort ist es nur noch ein kleines Stück bis zur Marina Stavoren wo wir die heutige Nacht verbringen werden. Die Marina ist bis auf ein paar Winterlieger noch völlig leer. Die Toiletten und Duschen sind auf, aber leider ist das gute Restaurant geschlossen. So zünden wir wieder unseren Gasofen und verzehren unser mitgebrachtes Dosenfutter. Es ist noch keine Tourizeit.

28.03.2007 Stavoren - Burgum

Der Dieselfilter wird erneut erfolglos gereinigt und wir motoren durch die malerischen friesischen Kanäle bis nach Heeg wo wir einen kurzen Tankstop einlegen und Öl und Diesel bunkern. Wir fahren weiter auf den Prinsess Margriet Kanal und über das Sneeker Meer durch mehrere Brücken, welche immer sofort auf unsere Funkanforderung geöffnet werden. Unser Ziel soll heute noch Leeuwarden werden. Da müssen wir uns sputen denn die Brücken werden so früh im Jahr nur sparsam bedient. Kurz vor Grouw macht uns ein Brückenwärter den ersten Strich durch die Rechnung. Obwohl die Öffnungszeit auf grossen Tafeln angekündigt wird vergehen 2 Öffnungszeiten ohne das sich die Brücke bewegt. Erst nach 45 Minuten können wir die Brücke passieren. Nun wird es schwierig Leeuwarden noch rechtzeitig zu erreichen. Kurz bevor wir den Abzweig nach nach Leeuwarden erreichen kommt das nächste Problem in Form einer geschlossenen Brücke auf uns zu. Die Fonejachtbrug soll nach den Schildern erst ab dem 30.03.2007 für 1 Monat gesperrt werden, aber alle Lichter sind aus und im Brückenhäuschen ist kein Mensch. Was nun? - Augen zu und durch. Die Masstafeln an der Brücke zeigen eine Höhe von 10,20 m über Wasser. Ich steuere die ADELINE in langsamster Fahrt an die Brücke heran und wir berühren mit unserer Funkantenne 2 mal die Stahlträger aber dann sind wir durch.

Die Fonejachtbrug - auf dem Schild der Hinweis auf die Sperrung

Doch Leeuwarden - und damit die stehende Mastroute können wir nun vergessen. Also Planänderung. Wir fahren nach Burgum wo wir dann morgen den Mast legen um dann auf dem kürzesten Weg über Groningen nach Delfzeil zu gelangen.  Na wenigstens gibt es in Burgum einen ordentlichen Chinesen und so schlagen wir uns mit fernöstlichen Leckereien den Bauch voll.

 

29.03.2007 Burgum - Delfzeil

Mastlegen, unsere Lieblingsbeschäftigung. Aber was solls, wenn die Brücken nicht aufmachen fahren wir halt drunterher. Routiniert wird der Mast in einer halben Stunde gelegt und verzurrt. So starten wir zur nächsten Etappe unserer Kanalreise. Der Motor weigert sich beharrlich mehr als 4 kn herzugeben und so brauchen wir wieder bis Abends um endlich durch zahlreiche Brücken und 2 Schleusen die Seeschleuse in Delfzeil zu erreichen. Hier müssen wir dann ca. eine halbe Stunde warten. Während wir vor der Schleuse Kreise drehen zieht ein mächtiges Unwetter auf. Oha, jetzt noch eine kalte Dusche ? Wir haben Glück, das Gewitter zieht vorbei ohne uns nass zu machen. Nach der Schleuse ist es nur noch ein kurzes Stück zum Yachthafen von Delfzeil. Aber auch hier ist noch alles geschlossen und wir sind das einzige Schiff im Hafen. Es ist halt noch keine Tourizeit.

ADELINE mit gelegtem Mast

30.03.2007 Delfzeil - Borkum

Am nächsten Morgen plagt mich ein grösseres Problem. Das gestrige Abendessen möchte wieder raus. Aber die Toiletten sind zu. Mit vorsichtigen Schritten begebe ich mich auf Erkundungstour. Am Hafentor angelangt erblicke ich zu meiner Freude ein Hotel. Und ein Hotel hat - rrrrischtisch Toiletten. Unrasiert und ungeduscht betritt ein zotteliger Seebär die Rezeption und fragt scheinheilig nach FRÜHSTÜCK. Die Receptionistin scheint sich aber von meinem Aüsseren nicht abschrecken zu lassen und so bekommen Speed und ich die Gelegenheit zur Ver- und Entsorgung. Glück gehabt. Man darf ja ruhig blöd sein - Man muss sich nur zu helfen wissen.

Maststellen - Das geht ja RuckZuck. Die Segel angeschlagen. Per Funk bei Delfzeil Radar angemeldet und schon sind wir passend zum Hochwasser Delfzeil unterwegs nach Borkum. Die Tide schiebt uns mächtig, der Wind ist prächtig. ADELINE schiesst mit 10 kn über Grund die Ems entlang. Es dauert nicht lange da taucht am Horizont schon die Insel auf. Jetzt kommt es noch mal auf unseren Motor an. Da wir ablaufendes Wasser haben, läuft ein ca 3kn starker Strom aus der Fischerbalje heraus. So ist es doch noch eine recht mühsame Stunde bis wir endlich im Jachthafen Borkum festmachen können.

Aber auch das gelingt uns prima und ADELINE hat das Saisonziel für 2007 erreicht.

Nachtrag:

Der Anlasser wurde durch einen neuen ersetzt, die gesamte Dieselleitung gespült und alle Filter ersetzt. Nun läuft der Motor wieder prima und einer schönen Saison steht nichts mehr im Wege.

 

       

 

 

 

 

 

 

 

Das Schiff

Name                              ADELINE

Typ                                         DELANTA 80

Registrierung                            133615 S

Baujahr                                   1978

Baunummer                               DE 1356

Länge                                      8,00 m

Breite                                      2,48 m

Tiefgang                                  1,25 m

Radsteuerung

Achterkajüte

Segmentkiel

 

MOTOR und GETRIEBE

 

Faryman 8 PS Diesel

3 – flügeliger Festpropeller

HURTH Getriebe hydraulisch

 

SEGELAUSRÜSTUNG

 

Lattengroßsegel ELVSTRÖM

Sturmfock

Kreuzfock

Genua 2

Genua 1 ELVSTRÖM biradial

Booster

Segelkleid

Lazy Jack System

 

Deck

 

Bug und Heckkorb VA

Teak im Cockpit und auf Hubdach

Deck mit Antirutschbelag

Seereeling

2 Winschen LEWMAR

Alle Fallen ins Cockpit geführt

5 x Fallklemmen EASYLOCK mini

Hubdachpersenning

Sprayhood

Spibaum groß und klein

Spiausrüstung

Badeleiter VA

2 Farbenlaterne

Hecklicht

Dampferlicht

Decksleuchte

3 Farbenlaterne im Masttopp

Tanks und Sicherheitsausrüstung

 

Dieseltank 40 l

Wassertank 100 l

Lenzpumpe mechanisch ( Schottmontage )

Lenzpumpe elektrisch

Danforth – Anker mit Kette und Leine 30m

Radarreflektor

Ankerball

Maschinenkegel

4 Schwimmwesten

 

Navigation und Elektrik

 

Kompass in der Steuersäule

Garmin GPS

Autohelm Selbststeueranlage

Autohelm ST 50 Windmessanlage

Autohelm ST 50 Logge und Echolot

Betriebsstundenzähler ,Tankanzeige, Voltmeter

Innenraum und Motortemperaturanzeige

Kühlwassertemperaturanzeige

UKW – DSC Seefunkgerät mit ATIS für Binnenfunk mit Mastantenne sowie umsteckbarer Notantenne am Heckkorb

Radio mit CD - Player

 

Weltempfänger

 

Landanschluss mit Ladegerät 220 V

2 Batterien a 12 V 88 Ah

 

Inneneinrichtung

 

2 flammiger Gaskocher

elektrische Wasserpumpe für Spüle

Seetoilette

Kompressorkühlschrank ca 40 l

Dieselheizung WEBASTO